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Der Kampf um die Kundenschnittstelle - Embedded Finance und KI

Die Kombination aus Embedded Finance, Künstlicher Intelligenz und der geplanten Financial Data Access Regulation bietet für Banken interessante Chancen, birgt aber auch signifikante Risiken. Die Integration von Finanzprodukten in die Customer Journeys Dritter gefährdet die Präsenz der Banken an der Kundenschnittstelle. Durch den gezielten Einsatz von KI können Banken die Customer Experience ihrer Kunden optimieren und so allein oder gemeinsam mit Dritten wertvolle Dienste anbieten.

Artikelbild: iStock.com/filadendron

Kaum ist der Latte Macchiato mit der Starbucks-App bezahlt, schon blitzen goldene Bonussterne auf und das nächste Freigetränk ist in greifbarer Nähe. Und beim Kauf des neuen VR-Headsets bieten Händler wie Mediamarkt Saturn oder Otto die Ratenfinanzierung gleich mit an, noch bevor der Artikel im Warenkorb landet.


Bezahlen, finanzieren, versichern – das alles wird sofort auf der Händlerseite erledigt. Embedded Finance heißt diese Entwicklung, und sie bezeichnet die Integration von Finanzprodukten in die Angebote, Customer Journeys und Prozesse von dritten Unternehmen außerhalb des Finanzsektors. Diese Unternehmen waren im ersten Schritt typischerweise BigTechs, Händler mit starker Online-Präsenz, Lifestyle-Apps oder Portale. Aber auch Mobilitätsunternehmen, Automobilhersteller, Supermärkte und Unternehmen anderer Branchen versuchen immer mehr, das Erlebnis ihrer eigenen Kunden durch die nahtlose und benutzerfreundliche Integration von Finanzdienstleistungen zu optimieren und sie so ohne Medienbrüche komplett in ihrer Customer Journey zu binden. Ein aktuelles Beispiel ist das native In-Car-Payment von Mercedes: Im Winter nachts die Tankfüllung per Fingerabdruck aus dem warmen Auto zahlen zu können ist eine willkommene Verbesserung der aktuellen Customer Journey.


Zunehmende Integration von Finanz-produkten in Angebote von Dritten
Embedded Finance umfasst typischerweise Bezahlprozesse (Embedded Payments), Finanzierungen (Embedded Lending), Versicherungen (Embedded Insurance) und Spar- bzw. Anlagemöglichkeiten (Embedded Investment/Wealth Management). Embedded Payments sind vor allem online häufig schon Standard und viele Unternehmen bieten verschiedene integrierte Bezahlmöglichkeiten an. In manchen Fällen nehmen die Angebote schon proprietäre Züge an wie die Wallets von Starbucks und Booking oder Apple- und Amazon Pay.


Mit fortschreitender Vernetzung wird potenziell jedes Gerät überall zu einem Point-of-Sale (POS). Speziell bei größeren Anschaffungen wie Möbeln, bei Unterhaltungselektronik oder bei Reisebuchungen integrieren auch immer mehr Anbieter Finanzierungs- und Versicherungsangebote in ihr Angebot, wie beispielsweise Mediamarkt Saturn, Metro, Otto, Ikea oder die Lufthansa.


Embedded Investment im Sinne einer in eine nicht-finanzielle Customer Journey integrierten Sparfunktion oder Anlage gibt es bisher in Europa in erster Linie in der Form, dass Summen beim Bezahlen aufgerundet und die Differenz in ein festgelegtes Sparprodukt investiert wird. Ebenfalls selten ist in Europa auch noch ein umfassenderes White-Label-Banking-Angebot inklusive Konto, wie beispielsweise die Angebote von Apple und Uber. Apple lancierte im April 2023 in den USA zusätzlich zu den bestehenden Kreditkarten ein neues Sparkonto und akquirierte innerhalb einer Woche rund 240.000 Kunden und knapp 1 Mrd. US-Dollar. Uber bietet seinen Fahrern in Mexiko ein Produktportfolio aus Konto, Karte und Wallet.


Der Trend zu Embedded Finance ist stark und anhaltend und wird von immer mehr Anbietern aufgegriffen. (…)

 

 


Den vollständigen Artikel aus der Ausgabe „die bank“ 10.2023 können Sie bei Genios kaufen.

Autorin
Prof. Dr. Silke Finken ist Professorin für Innovationsmanagement an der ISM und Vortragsrednerin. Sie hält Keynotes und Workshops für Unternehmen zu Innovations- und Strategiethemen sowie aktuellen Trends im Banking.