EUDI-Wallet kommt: Die Uhr tickt
19. Januar 2026
2027 müssen alle Banken in der Lage sein, die EUDI-Wallet zu unterstützen. Da die Vorbereitung darauf bis 12 Monate und mehr in Anspruch nimmt, wird es Zeit zu handeln. Alexander Eßer und Uwe Härtel vom Bank-Verlag erklären die näheren Umstände.
2027 müssen alle Banken in der Lage sein, die EUDI-Wallet zu unterstützen. Da die Vorbereitung darauf bis 12 Monate und mehr in Anspruch nimmt, wird es Zeit zu handeln. Alexander Eßer und Uwe Härtel vom Bank-Verlag erklären die näheren Umstände.

Herr Eßer, Herr Härtel, eIDAS 2.0. macht die Akzeptanz aller zertifizierten EUDI-Wallets für Banken verpflichtend. Sind die deutschen Institute gut vorbereitet?
Alexander Eßer: Unser Eindruck ist, dass viele Institute noch am Anfang stehen. In einigen Banken laufen noch Diskussionen, ob man selbst eine Wallet baut oder nicht. Im Testbetrieb befinden sich nur sehr wenige. Wir raten dazu, das schnellstens zu ändern.
Es ist aber doch noch Zeit bis Ende 2027.
Eßer: Theoretisch ja. Die Vorbereitungen aber dürften bis zu einem Jahr dauern. Und mit Beginn des Jahres 2027 wird unseres Erachtens eine große Dynamik in das Thema kommen. Viele Länder im europäischen Ausland sind bereits deutlich weiter als wir. Kund:innen von dort werden sich wundern, wenn sie eine Überweisung zu einer deutschen Bank über die EUDI-Wallet abwickeln wollen und das nicht funktioniert. Deshalb: Die Uhr tickt.
Liegt die aktuelle Zurückhaltung vielleicht daran, dass die EUDI-Wallet kein echter Business Case für Banken ist?
Uwe Härtel: Das muss sich erst erweisen. Die Wallet wird für die Nutzer:innen ein Komforterlebnis sein, von dem Banken nur profitieren können. Zudem gehen wir davon aus, dass durch die in der Wallet hinterlegte eID (dann PID genannt), basierend auf dem neuen Personalausweis + PIN, die Fraudraten sinken werden. Und Banken können Prozesse wie KYC (Know Your Customer) vereinfachen. Bislang werden die Möglichkeiten der Wallet nur sehr begrenzt betrachtet. Es geht z. B. um die Bestätigung der Identität, Authentifizierung im Online-Banking und das digitale Signieren von Dokumenten. Richtig interessant aber wird es erst bei den so genannten Attributsbescheinigungen. Solche Attribute sind zum Beispiel nähere Angaben zur Person (Adressdaten), zum finanziellen Status, zur Kontonummer, zu Zeugnissen oder Vollmachten. Es wird viele Anwendungsgebiete geben – auch außerhalb des Bankings – von denen heute noch kaum die Rede ist.
Wie weit ist der Bank-Verlag?
Eßer: Wir stehen in den Startlöchern für Testläufe mit den Banken. Es ist alles vorbereitet, um Banken, Verwaltungen oder sonstige Unternehmen jetzt an die EUDI-Wallet anzubinden und konkrete Use Cases zu testen. Ein Anruf genügt.
Welches Potenzial hat die EUDI-Wallet Ihrer Einschätzung nach?
Härtel: Das hängt davon ab, wie schnell Wirtschaft und Verwaltung Use Cases schaffen. Man muss es klar sagen: Deutschland ist hier im internationalen Vergleich derzeit etwas abgehängt. In Dänemark haben mehr als 90 Prozent der Bürger:innen bereits eine digitale Identität, ähnlich sieht es im Baltikum und in Österreich aus. In Deutschland dagegen ist es noch eine klare Minderheit. Das Problem: Es gibt hierzulande noch zu wenige, konkrete Anwendungsfälle.
Eßer: Warum soll man sich die eID holen, wenn man sie nicht braucht? Wenn man aber über die eID – und damit über die Wallet – viele Verwaltungsvorgänge, Steuererklärungen, Schufa-Abfragen etc. erleichtern könnte, dann würde die Akzeptanz schnell steigen. Der erste Schritt muss jetzt also sein, mit attraktiven Use Cases die Durchdringung der eID hochzufahren.
Können die Tests dabei helfen?
Härtel: Wir erhoffen uns, dass wir im Zusammenspiel mit Banken, öffentlicher Verwaltung oder anderen Unternehmen durch die Tests weitere mögliche Anwendungen identifizieren. Ich denke, im Bereich der Attributsbescheinigungen sind die Möglichkeiten unendlich.
Was ändert sich durch die Wallet an den Lösungen des Bank-Verlags?
Eßer: Die Identifizierungs-, Authentifizierungs- oder Signierlösungen bleiben dieselben, sie werden nur in die Wallet integriert. Und genau darum geht es in den Tests. Wir müssen gemeinsam prüfen, ob die aktuellen Lösungen mit allen Wallets funktionieren.
Mit allen Wallets?
Härtel: Jedes EU-Land ist verpflichtet, eine nationale Wallet für seine Bürger:innen anzubieten. Zusätzlich ist die Privatwirtschaft angehalten, Wallets (insbesondere Unternehmens-Wallets) zu bauen. Es wird also eine breite Landschaft an Wallets geben und alle müssen unterstützt werden. Das erhöht die Komplexität. Unseres Erachtens macht es deshalb auch für die wenigsten Banken Sinn, eine eigene Wallet zu bauen, sondern sich über einen so genannten Konnektor an Wallets anzubinden. Da die Maintenance von eigenen Wallets höchst aufwendig ist und die Folgekosten enorm sein werden, wird der Bank-Verlag einen solchen Konnektor-Service für alle interessierten Institute anbieten. Wir raten Banken und anderen Institutionen, sich auf Use Cases zu fokussieren, die ihnen und den Menschen einen echten Mehrwert schaffen.
Herr Eßer, Herr Härtel, eIDAS 2.0. macht die Akzeptanz aller zertifizierten EUDI-Wallets für Banken verpflichtend. Sind die deutschen Institute gut vorbereitet?
Alexander Eßer: Unser Eindruck ist, dass viele Institute noch am Anfang stehen. In einigen Banken laufen noch Diskussionen, ob man selbst eine Wallet baut oder nicht. Im Testbetrieb befinden sich nur sehr wenige. Wir raten dazu, das schnellstens zu ändern.
Es ist aber doch noch Zeit bis Ende 2027.
Eßer: Theoretisch ja. Die Vorbereitungen aber dürften bis zu einem Jahr dauern. Und mit Beginn des Jahres 2027 wird unseres Erachtens eine große Dynamik in das Thema kommen. Viele Länder im europäischen Ausland sind bereits deutlich weiter als wir. Kund:innen von dort werden sich wundern, wenn sie eine Überweisung zu einer deutschen Bank über die EUDI-Wallet abwickeln wollen und das nicht funktioniert. Deshalb: Die Uhr tickt.
Liegt die aktuelle Zurückhaltung vielleicht daran, dass die EUDI-Wallet kein echter Business Case für Banken ist?
Uwe Härtel: Das muss sich erst erweisen. Die Wallet wird für die Nutzer:innen ein Komforterlebnis sein, von dem Banken nur profitieren können. Zudem gehen wir davon aus, dass durch die in der Wallet hinterlegte eID (dann PID genannt), basierend auf dem neuen Personalausweis + PIN, die Fraudraten sinken werden. Und Banken können Prozesse wie KYC (Know Your Customer) vereinfachen. Bislang werden die Möglichkeiten der Wallet nur sehr begrenzt betrachtet. Es geht z. B. um die Bestätigung der Identität, Authentifizierung im Online-Banking und das digitale Signieren von Dokumenten. Richtig interessant aber wird es erst bei den so genannten Attributsbescheinigungen. Solche Attribute sind zum Beispiel nähere Angaben zur Person (Adressdaten), zum finanziellen Status, zur Kontonummer, zu Zeugnissen oder Vollmachten. Es wird viele Anwendungsgebiete geben – auch außerhalb des Bankings – von denen heute noch kaum die Rede ist.
Wie weit ist der Bank-Verlag?
Eßer: Wir stehen in den Startlöchern für Testläufe mit den Banken. Es ist alles vorbereitet, um Banken, Verwaltungen oder sonstige Unternehmen jetzt an die EUDI-Wallet anzubinden und konkrete Use Cases zu testen. Ein Anruf genügt.
Welches Potenzial hat die EUDI-Wallet Ihrer Einschätzung nach?
Härtel: Das hängt davon ab, wie schnell Wirtschaft und Verwaltung Use Cases schaffen. Man muss es klar sagen: Deutschland ist hier im internationalen Vergleich derzeit etwas abgehängt. In Dänemark haben mehr als 90 Prozent der Bürger:innen bereits eine digitale Identität, ähnlich sieht es im Baltikum und in Österreich aus. In Deutschland dagegen ist es noch eine klare Minderheit. Das Problem: Es gibt hierzulande noch zu wenige, konkrete Anwendungsfälle.
Eßer: Warum soll man sich die eID holen, wenn man sie nicht braucht? Wenn man aber über die eID – und damit über die Wallet – viele Verwaltungsvorgänge, Steuererklärungen, Schufa-Abfragen etc. erleichtern könnte, dann würde die Akzeptanz schnell steigen. Der erste Schritt muss jetzt also sein, mit attraktiven Use Cases die Durchdringung der eID hochzufahren.
Können die Tests dabei helfen?
Härtel: Wir erhoffen uns, dass wir im Zusammenspiel mit Banken, öffentlicher Verwaltung oder anderen Unternehmen durch die Tests weitere mögliche Anwendungen identifizieren. Ich denke, im Bereich der Attributsbescheinigungen sind die Möglichkeiten unendlich.
Was ändert sich durch die Wallet an den Lösungen des Bank-Verlags?
Eßer: Die Identifizierungs-, Authentifizierungs- oder Signierlösungen bleiben dieselben, sie werden nur in die Wallet integriert. Und genau darum geht es in den Tests. Wir müssen gemeinsam prüfen, ob die aktuellen Lösungen mit allen Wallets funktionieren.
Mit allen Wallets?
Härtel: Jedes EU-Land ist verpflichtet, eine nationale Wallet für seine Bürger:innen anzubieten. Zusätzlich ist die Privatwirtschaft angehalten, Wallets (insbesondere Unternehmens-Wallets) zu bauen. Es wird also eine breite Landschaft an Wallets geben und alle müssen unterstützt werden. Das erhöht die Komplexität. Unseres Erachtens macht es deshalb auch für die wenigsten Banken Sinn, eine eigene Wallet zu bauen, sondern sich über einen so genannten Konnektor an Wallets anzubinden. Da die Maintenance von eigenen Wallets höchst aufwendig ist und die Folgekosten enorm sein werden, wird der Bank-Verlag einen solchen Konnektor-Service für alle interessierten Institute anbieten. Wir raten Banken und anderen Institutionen, sich auf Use Cases zu fokussieren, die ihnen und den Menschen einen echten Mehrwert schaffen.
Zu den Personen

Alexander Eßer
Director Security & Trusted Services, Bank-Verlag
verantwortet beim Bank-Verlag den Geschäftsbereich Security & Trusted Services und damit unter anderem ein zentrales Zwei-Faktor-Authentifizierungssystem sowie ein Online-Betrugserkennungssystem. Seit 2019 leitet er den eIDAS Vertrauensdienst, mit dem qualifizierte Fernsignaturen, Fernsiegel und Zeitstempel erzeugt werden können.

Uwe Härtel
Head of Sales Security & Trusted Services, Bank-Verlag
ist seit April 2023 beim Bank-Verlag verantwortlich für den Vertrieb des Security & Trusted Services-Portfolios. Sein besonderer Fokus liegt auf der Erschließung des großen Potenzials für die Vertrauensdienste im Bereich der öffentlichen Verwaltung.
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