Open Banking: Hat Europa die Datenökonomie verschlafen?
18. Dezember 2024
PSD2 2018, Data Governance Act 2022, Data Act 2023, eIDAS 2024 – und als nächstes FIDA und PSD3. Die Regulatorik gibt den Weg vor, doch von einer echten Datenökonomie ist Europa noch immer weit entfernt.
Warum das so ist, erklärt unser Open Banking-Experte Robert Herzig im Interview.
Warum das so ist, erklärt unser Open Banking-Experte Robert Herzig im Interview.

Entwickelt sich Europa mit FIDA und PSD3 nun endlich hin zu einer Datenökonomie?
Herzig: Wir reden schon lange über Daten von Kund:innen als das „neue Öl“ – der Fortschritt ist jedoch sehr zähflüssig. Die regulatorischen Vorgaben in den letzten Jahren zeigen der Finanzbranche vor allem eines: Eine europäische Datenökonomie ist kein Kann mehr, sondern ein Muss. Diese disruptive Veränderung ist eine, die lange für ein kurzfristiges Strohfeuer gehalten wurde. Es wurde viel geredet und wenig ist passiert. Allerdings wird die langfristige Wirkung immer noch unterschätzt. Aktuell entsteht ein europäischer Datenraum, der sich langsam zu einer Datenökonomie entwickelt.
Warum dauert Open Banking in Europa so lange?
Herzig: Dafür gibt es diverse Gründe: Allem voran die Regulatorik, die vorrangig die Finanzbranche erreicht hat. Durch FIDA sind neben Banken nun auch Versicherungen an der Reihe und es sollen noch mehr Daten bereitgestellt werden. Aktuell ist die genaue Ausgestaltung unklar – es sieht nach viel Aufwand und hohen Kosten aus. Zudem wird FIDA frühestens 2027 wirksam. Neben der Regulatorik fehlen in Europa bislang auch einheitliche APIs, die den Prozess beschleunigen können.
Sehen Sie Beispiele, die Lust auf Datenökonomie machen?
Herzig: Asien ist hier Vorreiter, das Potenzial von Daten wurde früh erkannt. Während Europa den Datenschutz und ethische Prinzipien priorisiert, setzt Asien den Fokus auf Daten für wirtschaftliches Wachstum und technologische Innovation. Wobei es aber auch in Europa Unternehmen gibt, die schon seit langem auf Open Banking und die bessere Nutzung von Daten setzen. Zum Beispiel wurde die spanische BBVA Bank bereits 2019 als Vorreiter im Open Banking gesehen. Sie setzt stark auf Daten sowie KI und denkt in Ökosystemen. Hier zeigt sich, dass es auch in Europa viel Potenzial gibt.
Kennen Sie konkrete Lösungen auf dem asiatischen Markt?
Herzig: McDonald‘s ist ein schönes Beispiel. Die Fast-Food-Kette nutzt schon lange die Payment-API der DBS Bank. Die DBS hat als größte Bank Südostasiens ihre Partner durch ein Entwicklerportal mit über 200 APIs eingebunden. Im Fall von McDonald‘s konnte so eine bargeldlose Zahlung bei der Lieferung angeboten werden. Ein weiteres Beispiel sind Echtzeitüberweisungen per QR-Code mit Prompt Pay – die Basis dafür ist eine Kooperation von Staat und Privatwirtschaft. Sekundenschnelles Zahlen ist möglich, egal welche Bank, Bezahl-App oder welches Smartphone genutzt wird. Ich würde sagen: Europa sollte aus dem Schlaf erwachen.
Entwickelt sich Europa mit FIDA und PSD3 nun endlich hin zu einer Datenökonomie?
Herzig: Wir reden schon lange über Daten von Kund:innen als das „neue Öl“ – der Fortschritt ist jedoch sehr zähflüssig. Die regulatorischen Vorgaben in den letzten Jahren zeigen der Finanzbranche vor allem eines: Eine europäische Datenökonomie ist kein Kann mehr, sondern ein Muss. Diese disruptive Veränderung ist eine, die lange für ein kurzfristiges Strohfeuer gehalten wurde. Es wurde viel geredet und wenig ist passiert. Allerdings wird die langfristige Wirkung immer noch unterschätzt. Aktuell entsteht ein europäischer Datenraum, der sich langsam zu einer Datenökonomie entwickelt.
Warum dauert Open Banking in Europa so lange?
Herzig: Dafür gibt es diverse Gründe: Allem voran die Regulatorik, die vorrangig die Finanzbranche erreicht hat. Durch FIDA sind neben Banken nun auch Versicherungen an der Reihe und es sollen noch mehr Daten bereitgestellt werden. Aktuell ist die genaue Ausgestaltung unklar – es sieht nach viel Aufwand und hohen Kosten aus. Zudem wird FIDA frühestens 2027 wirksam. Neben der Regulatorik fehlen in Europa bislang auch einheitliche APIs, die den Prozess beschleunigen können.
Sehen Sie Beispiele, die Lust auf Datenökonomie machen?
Herzig: Asien ist hier Vorreiter, das Potenzial von Daten wurde früh erkannt. Während Europa den Datenschutz und ethische Prinzipien priorisiert, setzt Asien den Fokus auf Daten für wirtschaftliches Wachstum und technologische Innovation. Wobei es aber auch in Europa Unternehmen gibt, die schon seit langem auf Open Banking und die bessere Nutzung von Daten setzen. Zum Beispiel wurde die spanische BBVA Bank bereits 2019 als Vorreiter im Open Banking gesehen. Sie setzt stark auf Daten sowie KI und denkt in Ökosystemen. Hier zeigt sich, dass es auch in Europa viel Potenzial gibt.
Kennen Sie konkrete Lösungen auf dem asiatischen Markt?
Herzig: McDonald‘s ist ein schönes Beispiel. Die Fast-Food-Kette nutzt schon lange die Payment-API der DBS Bank. Die DBS hat als größte Bank Südostasiens ihre Partner durch ein Entwicklerportal mit über 200 APIs eingebunden. Im Fall von McDonald‘s konnte so eine bargeldlose Zahlung bei der Lieferung angeboten werden. Ein weiteres Beispiel sind Echtzeitüberweisungen per QR-Code mit Prompt Pay – die Basis dafür ist eine Kooperation von Staat und Privatwirtschaft. Sekundenschnelles Zahlen ist möglich, egal welche Bank, Bezahl-App oder welches Smartphone genutzt wird. Ich würde sagen: Europa sollte aus dem Schlaf erwachen.
Zur Person

Robert Herzig
Open Banking-Experte, Bank-Verlag
ist seit fast 25 Jahren im Payment-Markt tätig und hat sowohl Erfahrung bei Banken als auch im Einzel- und Großhandel gesammelt. Seine Fachgebiete sind der Zahlungsverkehr, das Thema PSD2-Dienstleistungen sowie Open Banking-Technologien. Als Open Banking-Experte des Bank-Verlags ist er zugleich Mitglied der Geschäftsführung der BV Transaction Services GmbH, einer 100%-igen Tochter des Bank-Verlags.

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