Digitaler Euro im Praxistest: Pilot mit Finanzdienstleistern

7. Juli 2026

Im September 2027 startet das Pilotprojekt zum digitalen Euro mit ausgewählten Finanzdienstleistern. Dr. Heike Winter von der Deutschen Bundesbank gibt Einblicke in den Auswahlprozess und Szenarien, die pilotiert werden.

Zwei Smartphones liegen auf Tisch und übertragen imaginär Geld

Frau Dr. Winter, Finanzdienstleister konnten ihr Interesse für das Pilotprojekt bekunden. Wie viele haben sich beworben – und nach welchen Kriterien wählen sie aus?

Dr. Heike Winter: Wir sind sehr zufrieden mit der hohen Resonanz. In der deutschen Kreditwirtschaft sowie im gesamten Euroraum haben wir aus jedem Sektor zahlreiche Bewerbungen erhalten. Im Auswahlprozess stehen formale Kriterien an erster Stelle – im Piloten sollen möglichst viele Länder und Arten von z. B. Banken vertreten sein. Allerdings gibt es keinen festgelegten Kriterienkatalog, den wir bis zur Bekanntgabe am 9. Juli 2026 abarbeiten.

Werden Finanzdienstleister, die sich interessieren, auch abgelehnt?

Dr. Heike Winter: Wir möchten die Institute nicht vor den Kopf stoßen, die ihr Interesse bekundet haben. Ich kann mir eine andere Art der Teilnahme vorstellen, indem wir beispielsweise Informationen mit ihnen teilen – das werden wir noch genauer definieren.

Der Pilot soll das Eurosystem auf die Einführung des digitalen Euros vorbereiten und ist für September 2027 geplant. Welche Szenarien werden konkret getestet?

Dr. Heike Winter: Der Pilot ist eine Art Friends & Family-Test mit den Mitarbeitenden der teilnehmenden Zentralbanken. Den digitalen Euro könnten wir etwa in den Kantinen zuerst testen. Grundsätzlich möchten wir vier Anwendungsfälle verproben: P2P- (online und offline), NFC-Zahlungen am Point of Sale sowie Zahlungen im E- und M-Commerce.

Die Kantinenbetreiber könnten die ersten Händler im Testing sein. Auch der Handel bekundet sein Interesse und wir werden ihn frühzeitig einbinden, damit es reibungslos läuft. In den nächsten Wochen planen wir Händlern, v. a. aus dem E-Commerce, die Möglichkeit zu geben, ihr Interesse am Piloten zu bekunden.

Wie können sich die ausgewählten Finanzdienstleister auf den Piloten vorbereiten?

Dr. Heike Winter: Sie müssen ausreichend Kapazitäten zur Verfügung stellen. Meine Erfahrung zeigt, dass wir im Piloten Spezialwissen benötigen und diese Fachkräfte müssen auch ausreichend Zeit haben. Darüber hinaus werden wir die Finanzdienstleister engmaschig betreuen, zum Beispiel über Wissens- und Austauschplattformen oder dezidierte Trainings.

Finanzdienstleister erhalten im Piloten keine Vergütung und müssen ihre Kosten selbst tragen. Wie hoch schätzen Sie die Investitionskosten? Was ist das konkrete Geschäftsversprechen?

Dr. Heike Winter: Das können nur die einzelnen Teilnehmenden beantworten. Durch die Teilnahme am Piloten können sie mitgestalten. Sie sind von Anfang an eingebunden und können frühzeitig Feedback einbringen. Wir gehen davon aus, dass der digitale Euro per gesetzlicher Vorschrift inklusive eines Rulebooks kommen wird, das von den Finanzdienstleistern unterschrieben werden muss. Im Ausgleich erhalten sie Händlergebühren und können die Infrastruktur des Eurosystems gebührenfrei nutzen. Darüber hinaus werden die Finanzdienstleister nach der Einführung sicherlich auch smarte Lösungen für neue Geschäfte finden.

Banken sollen die Kundenschnittstelle bleiben. Konkret: Welche Aufgaben übernehmen sie beim digitalen Euro?

Dr. Heike Winter: Bestandskunden müssen informiert werden, wie sie den digitalen Euro nutzen können. Hier und auch bei problematischen Transaktionen werden Banken auch weiterhin die ersten Ansprechpartner für die Endnutzer:innen sein. Darüber hinaus können Banken sicherlich auch Zusatzdienste anbieten und im Online-Handel Marktanteile zurückgewinnen.

Zur Person

Portraitfoto von Dr. Heike Winter einer Expertin für den Bank-Verlag

Dr. Heike Winter

ist Volkswirtin und leitet in der Deutschen Bundesbank den Bereich „Analyse, Policy, Ökosystem Digitaler Euro“. Dazu gehören die Gremienarbeit im Eurosystem und im deutschen Kreditgewerbe ebenso wie Analysen zu digitalem Zentralbankgeld. Sie arbeitet seit Februar 1999 bei der Deutschen Bundesbank, zunächst in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit und ökonomische Bildung, seit März 2007 im Zahlungsverkehr und seit Februar 2024 im neuen Zentralbereich Digitaler Euro.

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