Echtzeitzahlungen: Von der Regulatorik zum Kundenerlebnis

25. März 2026

Instant Payments ermöglichen weit mehr als nur regulatorische Konformität. Antje Beckert, Product Managerin Payments bei der HypoVereinsbank/UniCredit, zeigt auf, wie Institute den Service künftig gezielt zur eigenen strategischen Weiterentwicklung nutzen können.

Welche Use Cases versprechen echten Mehrwert? Wo liegen ungenutzte Potenziale? Und welche Schritte sind jetzt notwendig, um diese Chancen erfolgreich zu nutzen?

Eine Stoppuhr wird überlagert von dynamischen Lichtstreifen vor einem schwarzen Hintergrund.

Mit der Instant Payments Regulation müssen Banken seit Oktober 2025 Echtzeitzahlungen anbieten. Die Anforderungen: 24/7 verfügbar, für Kund:innen nicht teurer als eine normale SEPA-Überweisung und innerhalb von 10 Sekunden durchgeführt. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Anzahl der Echtzeit-Transaktionen in Deutschland um mehr als 90% – Tendenz steigend. „Die EU-Regulierung zeigt hier eine deutliche Wirkung“, sagt Antje Beckert, Product Managerin Payments bei der HypoVereinsbank/UniCredit im Bereich Client Solutions. „Wir erwarten natürlich Wachstum bei den Echtzeitzahlungen. Wir identifizieren weiteres Potenzial – für unsere Kunden und für uns als Bank.“

Echtzeitzahlungen als Wettbewerbsvorteil im Firmenkundengeschäft

Echtzeitüberweisungen zeigen vor allem dort Wirkung, wo Schnelligkeit unmittelbar erlebbar ist. Im Business-Kontext (B2P und B2B) stehen weniger Komfortaspekte als vielmehr finanzstrategische Überlegungen im Vordergrund. So ermöglichen Echtzeitüberweisungen Firmenkunden unter anderem eine präzisere Steuerung des Geldflusses – perspektivisch auch über mehrere Konten und Gesellschaften hinweg. Pufferliquidität kann so reduziert und Kapital effizienter eingesetzt werden. „Echtzeitzahlungen können aber auch klar als Wettbewerbsvorteil hinsichtlich der Bindung von Mitarbeitenden oder Kund:innen gesehen werden“, sagt Beckert. Als Beispiele nennt sie unter anderem die höhere Geschwindigkeit bei Gehaltszahlungen oder auch Rückerstattungen – ob im Handel, in der Reisebranche oder bei digitalen Dienstleistungen. „Die Herausforderung liegt darin, dass die Prozesse und Systeme unserer Firmenkunden neu gedacht und umstrukturiert werden müssen.“

Verschiedene Herausforderungen müssen noch bewältigt werden

Für Banken bergen Echtzeitzahlungen jedoch durchaus noch Herausforderungen: Erreichbarkeit, Preisregulierung, Betragslimitierung, Fehlerbehebung 24/7 und Sicherheit sind die zentralen Punkte, die es nach der Implementierung jetzt noch zu festigen gilt und die ein Umdenken erfordern. Daneben stehen Skalierbarkeit, Kundenzufriedenheit und Marktstandardisierung auf der Agenda für 2026.

Damit Echtzeitzahlungen nachhaltig erfolgreich sind, sollten Institute folgende Aspekte im Blick behalten:

  • Limit-Strukturen und die dazugehörige Beratungskompetenz müssen aufgebaut werden.

  • Ausreichende Anti-Fraud-Maßnahmen sollten einer angemessenen Ablehnungsquote gegenüberstehen, um die Kundenzufriedenheit nicht zu gefährden.

  • Die Liquiditätsplanung der Bank muss unter Berücksichtigung der neuen Anforderungen (24/7-Erreichbarkeit) neu gedacht werden.

Fazit: Die Bank als Partner für modernes Cash-Management

„Echtzeitzahlungen sind mehr als ein weiteres Zahlungsverkehrsprodukt. Sie verändern Erwartungen, Prozesse und Geschäftsmodelle – nicht nur im Firmenkundensegment“, sagt Beckert. „Für Banken liegt die strategische Chance darin, sich als Partner für modernes Cash- und Liquiditätsmanagement zu positionieren.“ Voraussetzung ist jedoch ein ganzheitlicher Ansatz, der Technologie, Risiko-Management und Beratung konsequent zusammendenkt. Dann wird aus Echtzeit ein nachhaltiger Wettbewerbsvorteil.

Instant Payments

Zentrale Handlungsfelder für Banken

1. 24/7-Infrastruktur und -prozesse aufbauen

Echtzeit kennt keinen Annahmeschluss. Alle Systeme müssen rund um die Uhr verfügbar und hoch-performant sein. Das betrifft nicht nur das Online Banking, sondern auch nachgelagerte Prozesse wie Support-Strukturen und Incident Management. Eine durchgängige Betriebsfähigkeit muss gewährleistet sein.

2. Fraud- und Risikomanagement in Echtzeit gewährleisten

Da Transaktionen binnen Sekunden durchgeführt werden, entfällt die Möglichkeit nachgelagerter Prüfungen. Betrugsprävention muss daher in Echtzeit erfolgen. KI-gestützte Monitoring-Systeme, verhaltensbasierte Analysen und klare Eskalationsprozesse helfen, validierte Entscheidungen zu treffen.

3. Integration in ERP- und Treasury-Systeme

Firmenkunden erwarten keine isolierte Zahlungslösung, sondern eine nahtlose Einbindung in ihre bestehende Systemlandschaft. API-Fähigkeit, standardisierte Schnittstellen und eine reibungslose Anbindung an ERP- sowie Treasury-Management-Systeme werden zum Wettbewerbsfaktor. Je einfacher die Integration, desto höher die Nutzungswahrscheinlichkeit.

4. Klare Preis- und Produktstrategie festlegen

Ist Echtzeit Premium-Service oder Basisleistung? Diese strategische Frage muss jedes Institut beantworten. Eine transparente Preisstruktur und eine klare Kommunikation des Mehrwerts sind entscheidend. Gleichzeitig gilt es, regulatorische Vorgaben und Markterwartungen in Einklang mit einer tragfähigen Monetarisierung zu bringen.

5. Beratungskompetenz im Firmenkundengeschäft aufbauen

Echtzeitüberweisungen sind kein Selbstläufer. Relationship Manager:innen müssen branchenspezifische Use-Cases erkennen und aktiv adressieren – etwa bei Personaldienstleistern, Handelsunternehmen oder in der Industrie. Gefragt ist hier Prozessberatung: Wo schaffen Echtzeitüberweisungen echten Mehrwert? Wo optimieren sie Liquiditäts- oder Beschaffungsprozesse?

Zur Person

Portraitfoto von Antje Beckert einer Referentin für den Bank-Verlag

Antje Beckert

Produkt Managerin für Instant Payments & Cash Pooling Lösungen bei der HypoVereinsbank/UniCredit Bank GmbH in München

vertritt die Bank bei der EBA Clearing Working Group für RT1 (Instant Payments) sowie Request To Pay und ist Teilnehmerin bei der Liquidity Management Working Group der EBA Association. Für die UniCredit ist sie seit 2001 unter anderem in der Produktentwicklung für Trade Finance, Supply Chain Finance, Working Capital Optimization und seit 2015 im Bereich Payments Solutions tätig.

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