„Stresstests fördern den bankinternen Austausch“

13. Mai 2026

Stresstests spielen im Risikomanagement von Banken eine entscheidende Rolle – insbesondere bei der dynamischen geopolitischen Lage. Dr. Markus Förster von der DZ BANK teilt seine Erfahrungen, insbesondere zum EZB-Stresstest 2026.

Verschwommene Ansicht von Autos, die zwischen Hochhäusern fahren

Herr Förster, Sie haben den EZB-Stresstest 2026 bald abgeschlossen. Welche geopolitischen Ereignisse haben Sie als besonders kritisch für Ihre Bank identifiziert – und warum?

Markus Förster: Das aktuelle Weltgeschehen ist geprägt durch sehr unterschiedliche geopolitische Konflikte. Dementsprechend divers sind die Auswirkungen auf deutsche Banken wie uns, auch wenn sie nicht direkt in den Krisenregionen investiert sind. Die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten haben Einfluss auf Energiepreise und Lieferketten, was sich auch auf deutsche und europäische Kreditportfolien niederschlägt. Ebenso beschäftigt Unternehmen die Unsicherheit rund um die Handelspartner USA und China sowie insbesondere das Thema US-Zölle.

Generell ist die wachsende Ungewissheit und damit zurückgehende Investitionen ein zentraler Wirkkanal geopolitischer Krisen. Neben den finanziellen Auswirkungen möglicher Krisenverschärfungen, geht es bei geopolitischen Risiken um die operationelle Resilienz und „Preparedness“ der Banken – z. B. im Hinblick auf Cyberrisiken oder kritische Infrastruktur.

Der EZB-Stresstest 2026 fand unter der Berücksichtigung von Non Financial Risk-Aspekten statt. Denken Sie, dass NFR künftig gleichwertig mit finanziellen Risiken gesteuert wird?

Markus Förster: Nicht-finanzielle Risiken und damit auch operationelle sowie Reputationsrisiken werden immer komplexer. Sie gewinnen durch die multiplen Krisen, die aktuelle geopolitische Situation und systemische Abhängigkeiten an Bedeutung und zeigen auf, wie hoch das Potenzial für Banken ist, verwundet zu werden. Zusätzlich stellt der Regulator höhere Anforderungen an die Analyse und Resilienz-Fähigkeit der Banken. NFR, insbesondere aber Compliance-, Prozess- und Cyberrisiken, können in solchen Szenarien indirekt große finanzielle Schäden verursachen.

Die operationellen Risiken haben in unseren Stresstests, ob intern oder auf Seiten der EBA bzw. EZB, eine große Rolle gespielt. Konkret haben wir uns bei der DZ BANK zum Beispiel mit Cyberattacken, Fehlern in Prozessdurchführungen bei großvolumigen Transaktionen oder der Belastung von Mitarbeitenden durch erhöhte Sanktionsvorgaben beschäftigt. Die Resilienz gegen derartige Risiken wird immer wichtiger. Stresstests und Szenarioanalysen helfen uns, diese Resilienz zu schaffen.

Was hat die DZ BANK als Learnings aus dem EZB-Stresstest bereits mitgenommen?

Markus Förster: Der diesjährige EZB-Stresstest hat uns einerseits bestätigt, dass wir mit unseren Prozessen und Szenarien die gestiegenen Erwartungen der Aufsicht an den Umgang mit geopolitischen Risiken sehr gut erfüllen. Zum anderen war die Übung ein guter Anlass, die Risiken und Szenarien, deren Wirkkanäle, sowie geeignete hypothetische Gegenmaßnahmen noch einmal im Sinne eines 360-Grad-Blicks in der Bank zu diskutieren. So hat der Stresstest den Austausch zwischen Bereichen wie Risikomanagement, Business Continuity Management, Handel, Treasury und Kredit gefördert. Die Vernetzung ist relevant, um gemeinsam geeignete Maßnahmen sowohl für finanzielle als auch nicht-finanzielle Risiken zu entwickeln.

Zudem war es eine Besonderheit des diesjährigen EZB-Stresstests, dass gleichzeitig die Auswirkungen auf Kapital und Liquidität analysiert wurden. Auch das ist ein Beitrag zur weiteren Verzahnung der Bankprozesse. Mit anderen Worten: Gute Verzahnung und intensive Vorbereitung sind neben der laufenden Befassung mit den Risiken, Chancen und relevanten Szenarien das Erfolgsrezept im Umgang mit geopolitischen Risiken.

Zur Person

Portraitfoto von Dr. Markus Förster einem Referent für den Bank-Verlag

Dr. Markus Förster

Experte / stv. Abteilungsdirektor Stresstest & Szenarioanalyse bei der DZ BANK Gruppe

koordiniert seit ihrer Einführung im Jahr 2014 die EBA- und EZB-Stresstests bei der DZ BANK Gruppe sowie Konzeption und Weiterentwicklungen im gruppenweiten Stresstest-Programm. Hierbei befasst er sich aktuell u. a. mit geopolitischen Szenarien und Klimarisiken. Wichtiger Bestandteil seiner Rolle ist die enge fachliche Verzahnung mit den Risikoarten und dem Risiko- und Kapitalmanagement.

Stresstests in Banken im Überblick

Wer führt die Stresstests durch?

In Europa geben vor allem die European Banking Authority (EBA) und die Europäische Zentralbank (EZB) die Stresstests aufsichtlich vor. Zum Beispiel muss die EZB gemäß EU-Recht die beaufsichtigten Banken mindestens einmal jährlich einem Stresstest unterziehen. Seit der globalen Finanzkrise 2008 wurden die Anforderungen an Banken deutlich verschärft. Heute gelten Stresstests als eines der wichtigsten Instrumente der Bankenaufsicht.

Welche Krisenszenarien werden simuliert?

Bei einem Banken-Stresstest gibt es verschiedene Krisensituationen. Dazu gehören unter anderem:

  • hohe Inflation

  • Immobilienpreisverfall

  • Börsencrashs

  • geopolitische Konflikte

  • steigende Zinsen

  • Handelskriege und wirtschaftliche Unsicherheit

Warum sind Stresstests für Banken wichtig?

Stresstests spielen eine zentrale Rolle für die Stabilität des Finanzsystems. Durch sie können Risiken früh erkannt und so Finanzkrisen vorbeugt werden. Zudem stärken sie das Vertrauen in Banken und machen sie resilienter.

Das könnte Sie auch interessieren

Bank Verlag BV akademie Titelbild Fachtagung OpRisk Forum

Fachtagung: OpRisk / NFR-Forum

Erfahren Sie bei unserer Fachtagung, wie Sie mit aktuellen operationellen und nicht-finanziellen Risiken im Finanzsektor umgehen. Machen Sie Ihr Institut fit für die Zukunft.

Mehr erfahren
Ein Mikrofon neben den Loge des Podcasts "durch die bank" vom Bank-Verlag – Der Podcast zur Digitalisierung der Finanzbranche

Podcast: FiDA – Daten-Readiness

Der FiDA-Fahrplan ist weiterhin unklar, Daten bleiben aber entscheidend - auch für KI: Unsere Podcastfolge von „BV durch die bank“ beantwortet aktuelle Fragen zum Thema.

Jetzt anhören
Digitale Checklisten überlagern eine Hand, die mit einem Stift auf in einem digitalen Dokument arbeitet.

Magazin: Ein Jahr DORA-Meldewesen

Janina Schuh von der Bafin zieht ein erstes DORA-Resümee: Lesen Sie, welche IKT-Vorfälle am meisten gemeldet werden und welche Tücken es zu überwinden gilt.

Jetzt lesen

BV connect Newsletter

Lesen und Mitreden: Bleiben Sie informiert

Sie wollen erfahren, was gerade in der Finanzbranche diskutiert wird? Sichern Sie sich regelmäßige Updates rund um die Finanzbranche.

Ein lächelnder Mann mit Laptop in der Hand, der vor einer Wand steht

Mehr erfahren

Entdecken Sie weitere Facetten des Bank-Verlags

Zwei Personen unterhalten sich geschäftlich freundlich vor modernem Business Ambiente

Unser Magazin & Newsletter BV connect

Sie wollen erfahren, was gerade in der Finanzbranche diskutiert wird? In unserem Magazin finden Sie Hintergründe, Interviews, Podcasts und aktuelle Fachveranstaltungen.

Jetzt lesen
Frau sitzt mit Kopfhörern entspannt unterwegs im Bus mit Smartphone in den Händen

Unser Podcast: BV durch die bank

Der Podcast zur Digitalisierung der Finanzbranche. Wir gehen hinter die Buzzwords und bitten Experten zum Gespräch. Entdecken Sie unsere Podcastfolgen.

Jetzt anhören
Frau und Mann führen freundliche und geschäftliche Fachdiskussion über aktuelle Herausforderungen der Finanzbranche im gehen auf einer Treppe

Akademie: Man lernt nie aus

Die aktuellen Herausforderungen der Finanzbranche sind spannend und chancenreich. In unseren Fachveranstaltungen erhalten Sie wertvolle Wissens-Upgrades und inspirierende Angebote.

Mehr erfahren