EUDI-Wallet: „Das Potenzial ist riesig“
30. September 2026
Bis Ende 2027 müssen Banken die EUDI-Wallet als offizielles Identifikationsmittel akzeptieren und ihre Systeme entsprechend anpassen. Stephan Fuchs von der Deutschen Bank schildert, welchen Mehrwert die Wallet bringt und was Institute jetzt im Blick behalten sollten.
Bis Ende 2027 müssen Banken die EUDI-Wallet als offizielles Identifikationsmittel akzeptieren und ihre Systeme entsprechend anpassen. Stephan Fuchs von der Deutschen Bank schildert, welchen Mehrwert die Wallet bringt und was Institute jetzt im Blick behalten sollten.

Herr Fuchs, ist die EUDI-Wallet aus Bankensicht nur die Umsetzung von eIDAS 2.0 oder entsteht ein neues digitales Kundenerlebnis?
Stephan Fuchs: Auf den ersten Blick wirkt die EUDI-Wallet, die zukünftig in Deutschland „d-you“ heißen wird, wie eine regulatorische Pflichtaufgabe. Aber es entsteht ein neues europäisches Ökosystem für den digitalen Austausch verifizierter Identitäts- und Nachweisdaten. Für Banken und ihre Kund:innen birgt das eine ganz neue Möglichkeit der Interaktion.
Wo sehen Sie für Banken den größten Mehrwert neben dem Onboarding: auch im Zahlungsverkehr und bei anderen Bankprozessen?
Stephan Fuchs: Der größte unmittelbare Mehrwert für Banken liegt aus meiner Sicht weniger im Zahlungsverkehr als vielmehr in KYC- und Identitätsprozessen. Daten können medienbruchfrei übernommen werden und Banken können jederzeit deren Gültigkeit prüfen. Potenziale liegen zudem in der Adress- und Altersprüfung sowie bei der elektronischen Signatur. Den größten operativen Hebel gibt es dort, wo Dokumente aktuell noch manuell angefordert, geprüft und verarbeitet werden. Dennoch kann im Zahlungsverkehr eine Integration von z. B. Wero das Erlebnis der Kund:innen ergänzen.
Wie genau müssen wir uns die Prozesse bei der Datenerfassung und Identifikationsprüfung vorstellen?
Stephan Fuchs: Die Prozesse sind vollständig digital und finden innerhalb weniger Sekunden statt. Kund:innen müssen nicht mehr in die Filiale gehen oder sich über die Post identifizieren. Via QR-Code übermittelt die Bank einen Deep-Link, der anzeigt, welche Daten für den Vorgang benötigt werden. In der Wallet sehen Kund:innen transparent, welche Daten zu welchem Zweck abgefragt werden. Anschließend können die Angaben geprüft und freigegeben werden. Die Bank validiert die übermittelten Daten, bevor sie in die Banksysteme übernommen werden. Dabei werden nur die tatsächlich erforderlichen Informationen geteilt, während die Kund:innen jederzeit die Kontrolle über ihre Daten behalten. Genau diese Prinzipien der Datenminimierung und Datenhoheit sind zentrale Merkmale der EUDI-Wallet.
Welche Chancen eröffnet die Wallet für kleinere und mittlere Institute, die nicht dieselben Ressourcen haben wie große Institute?
Stephan Fuchs: Ich sehe unabhängig von der Größe des Instituts gleiche Chancen, da die Wallet auf standardisierten Schnittstellen beruht. Jede Bank steht vor der Make-or-Buy-Entscheidung und somit vor der Abwägung zwischen individueller Lösung und stetigen Maintenance-Aufwänden – es gibt viele Spezialanbieter, die eine Wallet-Infrastruktur zur Verfügung stellen. Das Potenzial ist riesig: Zum Beispiel geht die Europäische Kommission allein bei der European Business Wallet, die auf Unternehmen und deren digitale Identität ausgerichtet ist, von einem Leverage-Effekt von über ca. 200 Milliarden Euro aus.
Wo liegen aus Ihrer Sicht aktuell die größten Herausforderungen für Kreditinstitute?
Stephan Fuchs: Technisch geht es um die Anbindung an bestehende KYC- und Kernbank-Systeme, Status- und Widerrufprüfung sowie ein belastbares Betriebs- und Sicherheitsmodell. Regulatorisch definiert die EU-Geldwäscheverordnung (AMLR) das „Was“ und eIDAS 2.0 das „Wie“: Erst das Zusammenspiel beider Regelwerke ermöglicht einen europaweit standardisierten digitalen KYC-Prozess. Hinzu kommen Haftungsfragen, wie: Wer trägt das Risiko, wenn ein Nachweis fehlerhaft ist? Für alle Bereiche ist es wichtig, sich frühzeitig mit dem Thema zu befassen und Schritt für Schritt alles abzuarbeiten.
Was sollten Banken heute beobachten und technisch vorbereiten, um nicht den Anschluss zu verlieren?
Stephan Fuchs: Meiner Einschätzung nach sollten Banken drei Themen fokussieren: ein bereichsübergreifendes Zielbild mit Priorisierungen von Anwendungsfällen, eine modulare technische Basis für die Wallet-Anbindung und eine Make-or-Buy-Entscheidung.
Wo steht die Deutsche Bank bei den Vorbereitungen?
Stephan Fuchs: Wir verfolgen einen konzernweiten, anschlussfähigen Ansatz. Unser Ziel ist eine generische, wiederverwendbare Wallet-Infrastruktur. Dazu gehört neben der technischen Anbindung auch Governance, Datenschutz, Regulatorik und die Priorisierung von Anwendungsfällen. Für uns ist es entscheidend, früh praktische Erfahrungen zu sammeln. Deswegen engagieren wir uns im WE BUILD-Konsortium, um Use Cases und erste Piloten zu testen.
Herr Fuchs, ist die EUDI-Wallet aus Bankensicht nur die Umsetzung von eIDAS 2.0 oder entsteht ein neues digitales Kundenerlebnis?
Stephan Fuchs: Auf den ersten Blick wirkt die EUDI-Wallet, die zukünftig in Deutschland „d-you“ heißen wird, wie eine regulatorische Pflichtaufgabe. Aber es entsteht ein neues europäisches Ökosystem für den digitalen Austausch verifizierter Identitäts- und Nachweisdaten. Für Banken und ihre Kund:innen birgt das eine ganz neue Möglichkeit der Interaktion.
Wo sehen Sie für Banken den größten Mehrwert neben dem Onboarding: auch im Zahlungsverkehr und bei anderen Bankprozessen?
Stephan Fuchs: Der größte unmittelbare Mehrwert für Banken liegt aus meiner Sicht weniger im Zahlungsverkehr als vielmehr in KYC- und Identitätsprozessen. Daten können medienbruchfrei übernommen werden und Banken können jederzeit deren Gültigkeit prüfen. Potenziale liegen zudem in der Adress- und Altersprüfung sowie bei der elektronischen Signatur. Den größten operativen Hebel gibt es dort, wo Dokumente aktuell noch manuell angefordert, geprüft und verarbeitet werden. Dennoch kann im Zahlungsverkehr eine Integration von z. B. Wero das Erlebnis der Kund:innen ergänzen.
Wie genau müssen wir uns die Prozesse bei der Datenerfassung und Identifikationsprüfung vorstellen?
Stephan Fuchs: Die Prozesse sind vollständig digital und finden innerhalb weniger Sekunden statt. Kund:innen müssen nicht mehr in die Filiale gehen oder sich über die Post identifizieren. Via QR-Code übermittelt die Bank einen Deep-Link, der anzeigt, welche Daten für den Vorgang benötigt werden. In der Wallet sehen Kund:innen transparent, welche Daten zu welchem Zweck abgefragt werden. Anschließend können die Angaben geprüft und freigegeben werden. Die Bank validiert die übermittelten Daten, bevor sie in die Banksysteme übernommen werden. Dabei werden nur die tatsächlich erforderlichen Informationen geteilt, während die Kund:innen jederzeit die Kontrolle über ihre Daten behalten. Genau diese Prinzipien der Datenminimierung und Datenhoheit sind zentrale Merkmale der EUDI-Wallet.
Welche Chancen eröffnet die Wallet für kleinere und mittlere Institute, die nicht dieselben Ressourcen haben wie große Institute?
Stephan Fuchs: Ich sehe unabhängig von der Größe des Instituts gleiche Chancen, da die Wallet auf standardisierten Schnittstellen beruht. Jede Bank steht vor der Make-or-Buy-Entscheidung und somit vor der Abwägung zwischen individueller Lösung und stetigen Maintenance-Aufwänden – es gibt viele Spezialanbieter, die eine Wallet-Infrastruktur zur Verfügung stellen. Das Potenzial ist riesig: Zum Beispiel geht die Europäische Kommission allein bei der European Business Wallet, die auf Unternehmen und deren digitale Identität ausgerichtet ist, von einem Leverage-Effekt von über ca. 200 Milliarden Euro aus.
Wo liegen aus Ihrer Sicht aktuell die größten Herausforderungen für Kreditinstitute?
Stephan Fuchs: Technisch geht es um die Anbindung an bestehende KYC- und Kernbank-Systeme, Status- und Widerrufprüfung sowie ein belastbares Betriebs- und Sicherheitsmodell. Regulatorisch definiert die EU-Geldwäscheverordnung (AMLR) das „Was“ und eIDAS 2.0 das „Wie“: Erst das Zusammenspiel beider Regelwerke ermöglicht einen europaweit standardisierten digitalen KYC-Prozess. Hinzu kommen Haftungsfragen, wie: Wer trägt das Risiko, wenn ein Nachweis fehlerhaft ist? Für alle Bereiche ist es wichtig, sich frühzeitig mit dem Thema zu befassen und Schritt für Schritt alles abzuarbeiten.
Was sollten Banken heute beobachten und technisch vorbereiten, um nicht den Anschluss zu verlieren?
Stephan Fuchs: Meiner Einschätzung nach sollten Banken drei Themen fokussieren: ein bereichsübergreifendes Zielbild mit Priorisierungen von Anwendungsfällen, eine modulare technische Basis für die Wallet-Anbindung und eine Make-or-Buy-Entscheidung.
Wo steht die Deutsche Bank bei den Vorbereitungen?
Stephan Fuchs: Wir verfolgen einen konzernweiten, anschlussfähigen Ansatz. Unser Ziel ist eine generische, wiederverwendbare Wallet-Infrastruktur. Dazu gehört neben der technischen Anbindung auch Governance, Datenschutz, Regulatorik und die Priorisierung von Anwendungsfällen. Für uns ist es entscheidend, früh praktische Erfahrungen zu sammeln. Deswegen engagieren wir uns im WE BUILD-Konsortium, um Use Cases und erste Piloten zu testen.
Zur Person

Stephan Fuchs
Chapter Lead im WE BUILD-Konsortium für die Deutsche Bank AG
Er verfügt über fast 20 Jahre Erfahrung bei der Deutschen Bank und ist Experte für KYC, regulatorische Transformationsprozesse und digitale Identitäten. Sein besonderer Fokus liegt auf der praktischen Nutzung vertrauenswürdiger digitaler Identitäten im Finanzsektor sowie auf der Entwicklung neuer digitaler Geschäftsprozesse rund um die EUDI-Wallet und die European Business Wallet. Als Vertreter der Deutschen Bank im europäischen Konsortium WE BUILD arbeitet er aktiv an der Gestaltung der künftigen Wallet-Infrastruktur in Europa mit. Stephan Fuchs ist Certified Compliance Professional der Frankfurt School of Finance & Management.
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